Am vergangenen Wochenende waren wir unterwegs nach Berlin und tauchten in ein schweres Kapitel deutscher Geschichte ein. Zehn Teilnehmer*innen waren trotz großer Hitze mit Fächer, Miniventilator und kleinen Wassersprühflaschen ausgerüstet, dabei.
Am Freitag sind wir nach einem kurzen Zwischenstopp in der Jugendherberge zum Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit und haben eine Führung über das Gelände in Schöneweide bekommen. Besonders eindrucksvoll war der Besuch der Baracke 13. Hier gab es intensive Einblicke in die Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter*innen. Der Workshop zu Lebensgeschichten aus dem Zwangsarbeitslager fand größtenteils im Schatten von Bäumen und in den Räumlichkeiten des Dokumentationszentrums statt. Anhand von individuellen Biografien arbeiteten die Jugendliche Einzelschicksale heraus und erfuhren dadurch, wie Zwangsarbeiter*innen überall in der Landwirtschaft (jede*r Zweite) und in den Betrieben (jede*r Vierte) arbeiten mussten. Es wurde sichtbar, dass fast jede deutsche Firma damals von Zwangsarbeit profitierte – eine Perspektive, die heute noch nachklingt.
Am Samstag stand ein Besuch der „Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen“ auf dem Programm. In der ehemaligen Häftlingsküche, in der sich heute eine Ausstellung zu zentralen Ereignissen aus der Geschichte des KZ befindet, fand der Workshop zu Alltag und Haft im KZ Sachsenhausen statt. Im Kartoffelschälkeller wurden dann die Workshopergebnisse besprochen. Hier beschäftigten sich die Jugendlichen u.a. mit einer „Schuhprüfstrecke“: durch permanentes Marschieren mussten Häftlinge Lederersatzstoffe für die deutsche Schuhindustrie testen.
Am Sonntag arbeiteten wir in der Jugendherberge zum Thema Demokratie, diskutierten Werte, Teilhabe und demokratische Gestaltung in unserer Gesellschaft.
Ein bewegendes Wochenende liegt hinter uns und es wird Vieles noch nachwirken. Immer stand die Frage im Raum, wie Menschen so etwas anrichten konnten. Hoffnungsvoll stimmten aber kleine Geschichten der Menschlichkeit. Menschen, die sich gegenseitig geholfen haben, andere Menschen versteckt oder sich gegenseitig mit dem Wenigen, dass sie hatten unterstützt haben - und so etwas Hoffnung und Zuversicht in diese dunkle Zeit gebracht haben.
Die Fahrt geplant und durchgeführt haben Claudia Schulze (Jugendbildungsreferentin im Bistum) mit Winfried Ernst (Mittelstufenkoordinator Norbertusgymnasium) und Laura Hein (FSJ-lerin).
Möglich gemacht wurde das Projekt durch eine Förderung durch das Land Sachsen-Anhalt.